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Tilmann Zahn
 
Tilmann Zahn sucht Orte auf, die andere meiden: Die schäbigen und unwirtlichen Rückseiten der glitzernden Konsumwelt. Zu Güterbahnhöfen, Industrieanlagen, Ladeplätzen für Lastautos führen seine Wege. Zu Orten, an denen Waren produziert und umgeschlagen werden, en gros und in Containern, denen der Schmutz der Reisen, der Schweiss der harten Arbeit anhaftet.

Im Gras, das staubgrau aus den Pflasterfugen spriesst, findet Zahn zuweilen Lastwagenplomben, dünne Metallbänder mit einer Zollmarke. Bizarr verknickt, liegen die Plombierbänder am Ende der Reise in der vorstädtischen Ödnis. Man ahnt noch das Normierte der grotesk deformierten Metallbänder und kann es doch nicht greifen, es benennen. Ein tastender Zustand, der Zahn besonders reizt. Immer wieder tauchen in seiner Arbeit Formen auf, die vage aber zwingend an Werkzeuge nicht erkennbarer Form erinnern. In einigen Arbeiten, grossformatigen Materialbildern, sind Fundwerkzeuge eingearbeitet, vorzugsweise Geräte mit deutlichen Altersspuren, deren Handhabung dunkel bleibt.

In abstrahierter Form tauchen die enigmatischen Werkzeuge in den so genannten Ölpapieren auf: Körnige, ungrundierte Papiere werden in verdünnter Ölfarbe gebadet, mit Graphit oder manuellen Verfahren bearbeitet. Erste Versuche mit diesem Verfahren hat Zahn um 1989 gemacht.

Sinnbilder verlorenen, unzugänglichen Wissens sind die werkzeugartigen Formen Zahns. Das berührt eine gesellschaftliche Realität: Bruchstückhaft partizipiert der Einzelne am Wissen der Zeit; laufend werden neue Erkenntnisse gewonnen, gehen alte verloren. Bei Tilmann Zahn ist das Werkzeug, dessen Funktion verloren gegangen ist, wie ein Schlüssel ohne Tür. Das Schloss zum Schlüssel kann allenfalls gedacht werden und mit ihm zahllose mögliche Räume des Denkens und Imaginierens. Tilmann Zahns Bilder öffnen gleichsam mit rostigen Zangen einen hochsensiblen Raum.

Alice Henkes
 
Werke von
Tilmann Zahn 
 
Terminvereinbarung mit 
Tilmann Zahn 
 
 
  
Biografie
1966geb. in Osnabrück
seit 1967aufgewachsen in Düsseldorf
seit ca. 1976intensive Beschäftigung mit Malerei, später zusätzlich mit Fotografie
1986 - 1991Musikhochschule Freiburg / Brsg.
seit 1992Solo - Oboist im Sinfonieorchester Basel
seit 2005Künstler der Galerie Roland Aphold
  
Einzelausstellungen
2007Galerie Roland Aphold, Allschwil / Basel
Galerie Kunst im West, Zürich
2008Galerie C. Wichtendahl, Berlin
  
Gruppenausstellungen
2005Galerie Roland Aphold, Allschwil / Basel
2006Galerie Roland Aphold, Allschwil / Basel
2007Galerie Roland Aphold, Allschwil / Basel
 

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